In der Halbzeit erzählte der Bruder der Schwester von einem Fußballer, bei dessen Anblick, auch nur im Fernsehen, in der Kantine, ihm das Herz höher schlage. Der Spieler hieß Javier Pastore und spielte, in der Aktualität, für Paris Saint-Germain, PSG. Der Bruder war in dessen Spiel vernarrt, weil Pastore am Ball die Anmut und immer wieder auch die Ungeschicklichkeit in Person war. Dabei war er kein bewußter Zauberer. In der Anmut wie auch im Ungeschick wußte er jeweils nicht, wie ihm geschah. Ob er nun, wie in seinem legendären Tor gegen Chelsea, an der Cornerlinie vier, fünf Gegner aus dem Weg tanzte, bevor er einschoß, oder ob ihm, der oft zu glauben schien, mit dem Ball allein zu sein, dieser mir nichts, dir nichts abgenommen wurde, ohne daß der Gegenspieler ihn überhaupt zu attackieren bräuchte, weggespitzt, weggerollt vor seinem Schuh wie einem Stümper: so oder so bestaunte er nur, was ihm da, wie jedesmal ohne sein Zutun, widerfahren war. Und dazu kam, daß keiner Pässe schaffte wie er hin zu den Mitspielern, denen zum Einschießen fußgenau vor den Fuß, dem linksfüßig schießenden vor den linken, dem Rechtsfüßer vor den rechten, dem Kopfballspezialisten unter den Stürmern je nachdem gezielt auf rechte oder linke Schläfe. Bloß schossen oder köpften die Mitspieler, selbst die mit Pastore vertrauten, überrascht, daß ein derartiger Paß ein Ding der Möglichkeit war, dann in der Regel daneben, falls sie überhaupt auf den Ball zu ihren Füßen oder Häupten reagierten. Javier Pastore wurde von den anderen, seinen Mitspielern, nur ausnahmsweise verstanden. Dabei spielte er nie für sich, sondern für die Mannschaft, freilich eine, die es nicht gab, noch nicht? Nicht mehr? Aber wenn er ausnahmsweise tatsächlich den Spielführer gab, wirkte er fehl am Platz; spielte das falsche Spiel. Und das war es vor allem, was den Bruder zu ihm hinzog. Wunderbares zu schaffen, zugleich neben sich selber zu stehen, und überdies nur ausnahmsweise verstanden zu werden, sogar von denen, die einem am nächsten waren: gewaltig.
Aus: Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere, 2017